
Neulich begab sich jemand auf eine große Reise. Die Bitte vorweg: Gib mir das Album mit auf den Weg, dass du in deinem (zugegebenermaßen noch so jungem) Leben am meisten gehört hast bzw. welches den größten Eindruck auf dich gemacht hat. Von dem Reisenden bekam ich im Gegenzug Beggars Banquet der Rolling Stones geschenkt. Darüber hab ich mich natürlich sehr gefreut. Die mir gestellte Aufgabe gestaltet sich bis heute aber als sehr knifflig. Ich hab soviel ganz unterschiedliche Musik gehört – aus heutiger Sicht viele Sünden inbegriffen. Wie soll man da sein All-Time-Favorite-Album ausfindig machen?
Ich könnte meine Plattensammlung durchgehen und schauen welche Platte oder CD am meisten durchgenudelt wurde. Ich könnte meine Kassetten durchwühlen und überprüfen welches Band am meisten ausgeleiert ist. Ich könnte meine virtuelle Musiksammlung checken und nachsehen welche Band die meisten Plays aufzuweisen hat. Dies wiederum würde aber ja nur die letzten Jahre meines musikkonsumierenden Lebens repräsentieren. Ich könnte in mich hinein hören, aber da überschlagen sich die Bandnamen und damit verbundene Erinnerungen. Das ist echt schwierig!



Als Heranwachsende hatte ich eine Guns n’ Roses und Metallica-Phase. Die Hip Hop-Ära darf man auch nicht unter den Teppich kehren: Fettes Brot, Fanta 4 und sogar Eminem (ja, ja, – jeder hat Leichen im Keller). No Doubt lief zeitweise auf Heavy Rotation. Irgendwann hab ich die alten Helden entdeckt: Jimi Hendrix, Rolling Stones, Beatles, The Doors, Janis Joplin, phasenweise sogar Bob Marley! Irgendwann begann ich Norah Jones zu hören. Neue Helden kamen ins Spiel: The Strokes, The Libertines und andere The-Bands. Zwischendurch schloß ich mich auch noch dem Blur-Team an. Queens Of The Stone Age und Foo Fighters hielten Einzug in mein Leben. Dann kam der Schweden-Hype: The Hives, Moneybrother, Millencolin und sogar Mando Diao. Irgendwann entdeckte ich Frank Sinatra, Ella Fitzgerald und Louis Armstrong für mich. Eine Zeit lang war ich Dauergast bei Beatsteaks-Konzerten. Irgendwo waren auch The Cardigans, Rilo Kiley, Feist, Air, The Streets, Weezer, Van Morrison, Morrissey, The Clash, Nirvana, Eddie Vedder und soviele andere. Ich kann mich nicht festlegen. Zuviele Bands poppen vor meinem geistigen Auge auf.





Wie sieht es bei euch aus? Könnt ihr ein Lieblingsalbum ausmachen? Welche CD würdet ihr einem Reisenden mit auf den Weg geben, wenn ihr euch festlegen müsstet?












Wie immer sind solchen pauschalierenden Fragen unbeantwortbar. Aber es gibt schon Alben, die eine Erinnerung an bestimmte Situationen wachhalten.
Da waren Art Brut mit Bang Bang Rock and Roll, die ich im Skiurlaub 2005 in Adelboden morgens beim Brötchenholen gehört habe. Die Sonne noch nicht ganz aufgegangen, der Schnee erstickt jedes Geräusch. Der laute Sound passte gar nicht in diese Szene, und ich habe jeden Morgen überlegt, wie es wohl wäre in so einer Bergkulisse aufzuwachsen, welche Bedeutung Musik haben könnte. Ohne Ergebnis, klar.
Und es gibt Musik, die mir näher ans Herz geht als andere Musiken. Dazu gehört Robert Pollard, der mit Guided by Voices jederzeit ein Lächeln auf mein Gesicht zaubert. Keine Ahnung warum, aber der alte Säufer schafft es einfach immer wieder.
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