Just in diesem Moment kommt das gescannte U-Bahnnetz von Berlin aus dem Jahr 1948 gerade recht um die Ecke. Mit meiner Heimatstadt Berlin beschäftige ich mich dank Ulrike Sterblichs „Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt – Eine Kindheit in Berlin (West)“ wieder ausgiebig und bade mich mit Freunden in Erinnerungen. Der kleine Ausschnitt aus 1948 symbolisiert die stetige Veränderung in der Stadt. Von einem U-Bahnhof zwischen der Warschauer Straße und dem Schlesischen Tor mit dem Namen Osthafen habe ich noch nie etwas gehört und als ich meine ersten Schritt in West-Berlin gegangen bin, war die U6 schon komplett bis Alt-Mariendorf ausgebaut und die U8 bei meiner Oma ging nicht nur bis Leinestrasse, sondern bis zur Hermannstrasse. Dass der Südstern mal Gardepionierplatz hieß, ist mir auch neu. Solch Information sauge ich gerade auf und freue mich deshalb umso mehr über das gescannte Netz.

Das Buch von Ulrike Sterblich verschenke ich gerade fleißig an meine West Berliner Freunde im gleichen Alter. Unweit von der Autorin bin ich selbst aufgewachsen, habe selbst den einen Teil der Familie in Neukölln wohnen gehabt und habe meine Sonntagsspaziergänge an der Mauer mit Absurditäten seitens meines Vaters erlebt. Der fand es immer witzig, nicht mehr all zu gutes Obst über die Mauer zu schmeißen. Als Kind habe ich das nicht verstanden, meine Mutter hat er damit aber zum Schimpfen gebracht. Die Bananen und Orangen flogen fleißig weiter. All das war ihm egal. Hauptsache der Spaß war groß. Wer selbst in Berlin aufgewachsen ist, oder etwas über die Stadt in den 80ern aus der Sicht einer Heranwachsenden lernen will, dem lege ich das Buch sehr ans Herz. Dass unter dem Kudamm-Karree ein Bunker ist, wusste ich nicht. An all die alten Kinos am Kudamm konnte ich mich an nicht erinnern. Dank des Buches weiß ich jetzt aber wieder, wie die Kinder-Disco in Steglitz hieß, in der ich zu „Cotton Eye Joe“ getanzt habe. Danke dafür!

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