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Sehenswertes

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Über Geschmäcker lässt sich streiten, aber die Frauen von Rubens und Co mussten nun eine Überarbeitung in Photoshop durch Anna Utopia Giordano erfahren. All die Frauen mit ihren schönen Rundungen mussten dran glauben. Die Hüfte wurde minimiert, die Brüste gestrafft, die Nippel spitzer gemacht, das kleine Bäuchlein entfernt. Die Frau auf den Gemälden ähneln nun den Models in den Zeitschriften, an denen nichts dran ist. Die lieblichen Love Handles sind verschwunden und wir mögen das nicht. Ein bisschen sollte an jeder Frau dran sein. Das ist gesund und pickst auch nicht so doll, wenn man auf ihr liegt.

Unsere Liebe für die Kunst von Spencer Tunick haben wir schon einmal zum Ausdruck gebracht. Der Künstler versammelt gerne viele Menschen vor seiner Linse, stellt sie eng beieinander und lässt sie so vor der Kamera posieren, wie Gott sie geschaffen hat. All die nackte Haut verschmilzt oft zu einer Gesamteinheit, das einzelne Individuum ist nicht mehr unbedingt ausmachbar und der Nacktheit haftet nichts Besonderes an. Jeder ist gleich. Die Designerin Mara Hoffmann hat nun ein Motiv von Spencer Tunick in ihre Bademodekollektion integriert, was irgendwie absurd ist. Den Badeanzug trägt man, um seine primären und sekundäre Geschlechtsteile zu verhüllen. Diese verhüllt man aber wiederum mit nackten Menschen. Sprich auf die nackte Haut kommt Stoff mit nackter Haut. Irgendwie ist es nicht nur absurd, sondern auch interessant. Wer wissen will, wie es sich anfühlt sich mit nackten Menschen zu schmücken, kann sich die Bademode hier für 300 Dollar bestellen.

Es gibt viele Menschen, die Angst vor Puppen haben. Sie haben Angst, dass diese Nachts zu Leben erwachen und komische Sachen mit ihnen anrichten. Das künstliche, emotionslose Gesicht trägt dazu bei, dass den Puppen oft etwas psychomässiges anhaftet. Bei Chucky der Mörderpuppe wurde der ganze Albtraum auf Film gelebt. Im Video zu „Sometimes“ von Les Rythmes Digitales feat. Nik Kershaw wird den Puppen und Kuscheltieren auch Leben eingehaucht. Im Editorial der Vogue Italy arbeitet der fantastische Fotograf Tim Walker ebenfalls mit dem Puppenalbtraum. Eine Riesenpuppe tritt dem Model Lindsey Wixson in den Nacken, zwingt sie, Tee mit ihr zu trinken und ihr Geschichten vorzulesen. Surreal arbeitet das Editorial mit der Riesenpuppe, die pedantisch auf den Betrachter wirkt. Die Bilderstrecke an sich ist fabelhaft und die Handschrift von Tim Walker kommt großartig zum Tragen.

Das Kreuzberg-Video aus dem Jahre 1979, das rund um das Schlesische Tor in Kreuzberg gedreht wurde, haben wir uns mehr als einmal angeschaut. Es hat uns emotional einfach richtig gut abgeholt. Beim wiederholten Anschauen ist uns wieder das Buch von Peter Frischmuth in den Sinn gekommen. Peter Frischmuth hat ebenfalls versucht, die Geschichte von Kreuzberg zu dokumentieren. Im Jahr 1982 zog er erstmals mit seiner Kamera los und fing Stimmung wie auch Lage auf Film ein. Rund 25 Jahre später unternimmt er die gleiche Tour noch einmal und kehrt auf seine Spuren zurück. Die Mauer ist mittlerweile weg und der Bezirk rückt immer mehr ins Zentrum von Berlin. Die Momentaufnahmen aus 1982 und 2006 werden im Buch direkt gegenüber gestellt und faszinieren. Wer sich ein Bild von Kreuzberg in den 80ern und heute machen will, den Vergleich schätzt, der ist mit dem Buch „Berlin Kreuzberg SO36“ bestens bedient.

Es gibt die große chinesische Mauer. Es gab die Berliner Mauer. Und nun gibt es die große Vagina-Mauer. Eine Mauer, die nur aus Abdrücken des weiblichen Genitalbereichs besteht. Der Künstler Jamie McCartney hat über 400 Frauen Modell stehen lassen und die Abdrücke genommen. Alles zusammen ergibt ein Gesamtkunstwerk in Weiß, das aus der Ferne nicht alles preisgibt. Ein näheres Herantreten wird gefordert und dann begegnen einem die unterschiedlichsten weiblichen Genitalien. Der wohl privateste Schatz einer jeden Frau. All das wirkt nicht vulgär und hat auch nichts pornografisches an sich. Die Mauer kann man in London in der Hayhill Gallery betrachten.

Nackig durch die Gegend zu laufen ist nichts Neues. Matt & Kim haben es gemacht. In New York. Die Jungs von Yeasayer auch. Nun wird im neuen Video von Jeans Team blank gezogen, ein wichtiges Accessoire bleibt dabei aber immer an – das Bomberjäeckchen. Das Bomberjäeckchen verdeckt niemals den Po, zeigt uns alle Schwingungen im Genitalbereich und während die Akteure am Frankfurter Tor, im Einkaufszentrum Alexa und an anderen Stellen der Stadt leicht bekleidet durch die Gegend ziehen, packen sie sich selbst mitunter weg und erhaschen das ein oder andere verdutzte Gesicht. Das war zu erwarten. Das Lied an sich dreht sich natürlich auch um das Jäckchen, das bitte nie wieder in Mode kommen wird.

Der Bauchnabel als kleiner Teich ist fabelhaft. Der Po als Hügel für eine Bank für Liebende ist herzallerliebst. Boot zu fahren auf dem Po zum Rücken ist eine Kunst und an sich finden wir alle Motive von Allan Teger bemerkenswert. In seiner Reihe „Bodyscapes“ lässt der Fotograf den Körper zur Landschaft werden und platziert kleine Figürchen, Bäume oder auch Bänke auf dem Körper. Auf dem ersten Blick erschließt der Betrachter vielleicht gar nicht das Gesehene. Beim zweiten Blick entdeckt er die Körperhaare, sieht den ein oder anderen Riss im Gewebe. Solch Motive kommen sicher auch ganz gut an der Wand.

Was für eine geniale Idee. Frau und Mann tauschen die Sachen und Mann ist sich nicht zu schade dafür, auch einmal ein Kleid seiner Freundin über zuziehen. Wenn der Mann lange Haare hat, dann macht er sich auch mal einen Dutt. Oder lässt die Haare wallend herunter. Bei den Frauen sitzen die Sachen zumeist etwas eng um die Brust oder sie sehen so aus, als ob sie vom großen Bruder die Sachen anhaben. Wir lieben das Switcheroo-Projekt von Hana Pesut. Mehr als zwanzig Pärchen haben bereits an ihrer Fotoreihe teilgenommen. Wir hoffen, dass noch ganz viele Bilder folgen. Vielleicht überrede ich meinen Freund, diese Bilder bzw. das Prinzip nachzustellen. Vielleicht ist er offen dafür. Eine Hose von mir hatte er zumindest schon einmal an. Bei ihm saß sie viel lockerer als bei mir und ich war neidisch.

Dank meiner lieben Kollegin Julia habe ich eine neue tägliche Anlaufstelle. Ich schaue mir heimlich fotografierte Männer in der Ubahn aus London und New York an. London finde ich prinzipiell interessanter, weil die Männer nicht nur auf ihre Handys starren und einfach attraktiver sind. Geschmäcker sind aber verschieden. Gerne würden wir so etwas auch in Berlin machen. Leider bräuchten wir dafür die Genehmigung der Herren und dann geht der Spaß flöten. Beziehungsweise wir dürften keine Einzelshots machen und dürften nur in die Menge fotografieren. Gott sei Dank scheren sich die Macher von TubeCrush nicht um Persönlichkeitsrechte und erfreuen uns Tag für Tag mit neuen Fotos. Wir sind Fans.

Auch wenn ich meinen Bezirk mit all den Touristen manchmal hasse, am liebsten pro Laden zwei Tische für Kiezbewohner ständig reservieren lassen würde, mich über das Gekrakel an meiner Hauswand „Fist A Tourist A Day“ freue, so habe ich meinen Bezirk doch sehr gerne. 1979 war ich leider zu jung, um solche Bilder von Kreuzberg in meinem Kopf speichern zu können. So freue ich mich umso mehr über dieses Video mit Impressionen aus dem Bezirk. Die Aufnahmen sind fast alle rund ums Schlesische Tor entstanden. All die Freiflächen, die anderen Läden, das andere Gefühl des Bezirks nehmen mich und vielleicht auch euch auf eine stark emotionale Reise durch den Bezirk mit.