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Fotografie

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Jeder Mensch durchläuft verschiedene Lebensphasen. Bei Jungs fangen die Haare irgendwann an zu wachsen, bei Frauen auch. Bei Männern tritt der Adamsapfel mehr hervor, bei Frauen ist es die Brust, die sich immer mehr wölbt. Die französische Fotografin Alexandra Sophie hat in ihrer Serie „Jardin Fleuri“ die unterschiedlichen Phasen einer Frau durchgespielt.

Wie wir doch die Anne Geddes Bilder mit ihren süßen Kindern hassen. Inflationär oft haben wir diese in den 90ern an den Wänden von uns fremden Menschen entdeckt. Ziemlich häufig haben wir diesen Kitsch nicht verstanden und fanden die Kinder weder süß noch hinreißend. Ein Kind in einer Sonnenblume muss nicht sein. Ein dicker Mann in einer Hand hingegen schon. Das Vice Magazine hat gemeinsam mit dem Fotograf Lee Goldup eine Hommage an die Kinderfotografien von Frau Geddes geschaffen, leider konnten sie keine passende Kinder finden. Wie schade! Über die Frau im Blumentopf, die Schneckenfrau und Co freuen wir uns eh mehr als über die Originale.

Es gibt viele Menschen, die Angst vor Puppen haben. Sie haben Angst, dass diese Nachts zu Leben erwachen und komische Sachen mit ihnen anrichten. Das künstliche, emotionslose Gesicht trägt dazu bei, dass den Puppen oft etwas psychomässiges anhaftet. Bei Chucky der Mörderpuppe wurde der ganze Albtraum auf Film gelebt. Im Video zu „Sometimes“ von Les Rythmes Digitales feat. Nik Kershaw wird den Puppen und Kuscheltieren auch Leben eingehaucht. Im Editorial der Vogue Italy arbeitet der fantastische Fotograf Tim Walker ebenfalls mit dem Puppenalbtraum. Eine Riesenpuppe tritt dem Model Lindsey Wixson in den Nacken, zwingt sie, Tee mit ihr zu trinken und ihr Geschichten vorzulesen. Surreal arbeitet das Editorial mit der Riesenpuppe, die pedantisch auf den Betrachter wirkt. Die Bilderstrecke an sich ist fabelhaft und die Handschrift von Tim Walker kommt großartig zum Tragen.

Das Kreuzberg-Video aus dem Jahre 1979, das rund um das Schlesische Tor in Kreuzberg gedreht wurde, haben wir uns mehr als einmal angeschaut. Es hat uns emotional einfach richtig gut abgeholt. Beim wiederholten Anschauen ist uns wieder das Buch von Peter Frischmuth in den Sinn gekommen. Peter Frischmuth hat ebenfalls versucht, die Geschichte von Kreuzberg zu dokumentieren. Im Jahr 1982 zog er erstmals mit seiner Kamera los und fing Stimmung wie auch Lage auf Film ein. Rund 25 Jahre später unternimmt er die gleiche Tour noch einmal und kehrt auf seine Spuren zurück. Die Mauer ist mittlerweile weg und der Bezirk rückt immer mehr ins Zentrum von Berlin. Die Momentaufnahmen aus 1982 und 2006 werden im Buch direkt gegenüber gestellt und faszinieren. Wer sich ein Bild von Kreuzberg in den 80ern und heute machen will, den Vergleich schätzt, der ist mit dem Buch „Berlin Kreuzberg SO36“ bestens bedient.

Was für eine geniale Idee. Frau und Mann tauschen die Sachen und Mann ist sich nicht zu schade dafür, auch einmal ein Kleid seiner Freundin über zuziehen. Wenn der Mann lange Haare hat, dann macht er sich auch mal einen Dutt. Oder lässt die Haare wallend herunter. Bei den Frauen sitzen die Sachen zumeist etwas eng um die Brust oder sie sehen so aus, als ob sie vom großen Bruder die Sachen anhaben. Wir lieben das Switcheroo-Projekt von Hana Pesut. Mehr als zwanzig Pärchen haben bereits an ihrer Fotoreihe teilgenommen. Wir hoffen, dass noch ganz viele Bilder folgen. Vielleicht überrede ich meinen Freund, diese Bilder bzw. das Prinzip nachzustellen. Vielleicht ist er offen dafür. Eine Hose von mir hatte er zumindest schon einmal an. Bei ihm saß sie viel lockerer als bei mir und ich war neidisch.

Wir alle kennen die Pin-Ups und ihre Posen. Etwas unschuldig, etwas lasziv – halt die perfekte Mischung aus Unschuld und Lolita. Der Fotograf Rion Sabean hat es sich jetzt zur Aufgabe gemacht, das Blatt zu wenden. Nicht Frauen posieren vor seiner Kamera, nein, er holt die Männer vor die Linse, die jene Posen der Frauen einnehmen. Das Ganze sieht mitunter sehr absurd aus, vor allem wenn man Männer auf einem Baumstumpf oder in Army-Klamotten posieren sieht. „Men-ups“ ist lächerlich wie auch witzig zugleich. Und lehrt uns das Projekt etwas? Frauen können eindeutig besser posieren und überzeugen mehr, wenn es ums Vortäuschen falscher Tatsachen geht.

An einem Geburtstag vor einigen Jahren mussten all meine Gäste sich vor meiner Kamera positionieren und sich schütteln. Die Motive, die dabei um die Ecke gekommen sind, erfreuen mich heute immer noch. So schön waren meine Freunde noch nie. Mein Hund hat sich auch immer gerne geschüttelt. Vor allem wenn sie aus dem Wasser kam. Dann war sie trocken nach dem Schütteln und ich nass. Die Fotos von Carli Davidson wecken solch positive Erinnerungen in mir und die Hunde zaubern mir das größte Grinsen der Welt auf das Gesicht. Entgleiste Gesichtszüge gesellen sich zu herzallerliebsten Tieren, die trotteliger nicht aussehen könnten. Was für eine tolle Bilderreihe. Das komplette Set findet ihr hier.

Why do we cover our bodies but display our faces?
Naked Girls with Masks is bold bodily communication, a parody of the self-censorship we all succumb to everyday.

Der englische Fotograf Ben Hopper fotografiert Frauen mit nichts anderem an als Masken. Alles andere ist freigelegt, bloß das Gesicht wird gewahrt. Beziehungsweise wird zum Selbstschutz verdeckt. Da gibt es Frauen mit Einhornmasken, Where The Wild Things Are-Masken und auch ein süßer kleiner Panda linst freundlich in die Kamera. Wunderbar und ausdrucksstark. Die komplette Serie gibt es hier zu sehen, die weiterhin fortgeführt wird.

Auf dem ersten Blick offenbaren die Fotografien von Spencer Tunick nicht unbedingt das Dargestellte. Viele helle Stellen blitzen auf, viel Haut wird im Endeffekt präsentiert, die zu einer neuen Einheit verschmelzen und vom Individuum ablenken. Sobald man das Gesehene gedeutet hat, beginnt der Suchprozess. Wie viele Leute haben sich da versammelt? Soll das Bild eine Iris darstellen? Die Fotografien von Spencer Tunick finden wir wahnsinnig gut, dafür blank ziehen würden wir aber nicht.